Projektskizze:

Vor dem Hintergrund sinkender Steuereinnahmen, rückläufige Zuweisungen an Kommunen (kommunaler Finanzausgleich) und der Notwendigkeit Stellen im Öffentlichen Dienst abzubauen, stehen Thüringer Kommunen gerade im Bereich der notwendigen Unterstützung durch Informationstechnik vor schwierigen Aufgaben.

In den letzten Jahren hat sich die Abhängigkeit von einer funktionierenden IT-Infrastruktur auch für Kommunen stark erhöht. Sei es durch gesetzliche Anforderungen an kommunale Anwendungssysteme, wie z.B. Meldewesen oder Haushalts-/Kassenmanagement oder durch die Notwendigkeit, zunehmend Informationsnachfragen von Bürgern / Unternehmen und Verwaltung beantworten zu müssen. Eigene IT-Referate können sich aber nur ganz wenige, große Städte leisten. Häufig stehen nur einzelne Mitarbeiter und diese unter Umständen sogar nur Teilzeit zur Verfügung.

Aus verschiedenen Untersuchungen wie z.B. einer empirischen Untersuchung aus 2004 am Lehrstuhl Informationsmanagement der Fakultät für Informatik zum Einsatz von Bürgerinformationssystemen und Wissensmanagement bzw. einer Querschnittsprüfung des Thüringer Landesrechnungsrechnungshofes aus 2007 zu Internetauftritt und E-Government. lässt sich ableiten, dass Thüringer Kommunen in Bundesdurchschnitt verwaltungsintern weniger Anwendungssysteme einsetzen bzw. im Bereich von E-Government-Anwendungen einen Nachholbedarf haben. Und besonders problematisch wird es dann, wenn Störungen im IT-Bereich auftreten, Server ausfallen oder E-Mails ihre Empfänger nicht erreichen.

Um die Leistungsfähigkeit Thüringer Kommunen langfristig zu steigern bzw. einen wirtschaftlichen Einsatz von IT zu ermöglichen, gibt es technisch zunehmend Möglichkeiten. Ein möglicher Lösungsansatz besteht darin, bestimmte Aufgaben auf Dritte zu verlagern (Outsourcing) oder IT-Architekturen servicebasiert aufzubauen (Software on demand, Software as a service, o.ä.). Aber das erfordert eine genaue Erhebung der Anforderungen der Kommunen und eine entsprechende rechtliche, vertragliche und technische Ausgestaltung (Service-Level-Agreements).

In dem zum WS 2008/2009 eingerichteten, bundesweit einzigen Studiengang IT-Servicemanagement setzt man sich dieser Aufgabenstellung für Wirtschaft und Verwaltung auseinander. Kurz gesagt geht es darum, wie die internen Abläufe von IT in Unternehmen und Verwaltung bestmöglich zu strukturieren sind, welche Aufgaben selbst wahrgenommen werden können und welche man evtl. auf Dritte verlagert, um bessere Qualität der Leistungserbringung, höhere Verfügbarkeit der Systeme und ggf. Kosten reduzieren zu können. Und das alles bei möglichst hoher Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit.

In diesem Semester steht erstmals der Öffentliche Dienst und hier gezielt die Thüringer Kommunen im Fokus der Betrachtung.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung "Service Engineering" wird deshalb von den Studierenden unter Leitung von Frau Prof. Dr. Polster eine empirische Untersuchung zum Einsatz von IT und IT-Dienstleistern in Thüringer Kommunen durchgeführt. Auf der Basis der Ergebnisse sollen Konzepte, Geschäftsmodelle und/oder Dienstleistungsangebote für potentielle IT-Dienstleister sowie Checklisten und Muster Service-Level Agreements für Kommunen erarbeitet werden.